Der Kommentar: «Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht.» Das Zitat stammt von Mark Twain – und nicht von Vladimir Petkovic. Dabei würde auch der Schweizer Fussball-Nationaltrainer am liebsten vor sprachlosen Zuhörern und meinungsfreien Meldeläufern referieren. Noch stärker als die suboptimale Chancenauswertung seiner EM-Fahrer beschäftigt ihn der latent kritische Unterton in der Medienarbeit.

Petkovic ist gekränkt, dass selbst ein 7:0 gegen die Fussball-Grossmacht San Marino und ein 1:0 beim Balten-Bollwerk Estland das Land nicht in kollektive Ekstase ausbrechen lassen. Ein Staatsempfang und ein Ehrendoktortitel wären seiner Meinung nach ebenso angebracht wie eine notfallmässige Konfettiparade auf dem Bundesplatz, ein Auto-Korso in der Langstrasse und ein herbstliches Erstaugust-Feuerwerk über dem Rütli. Schliesslich hatte es Mittelfeld-Vordenker Granit Xhaka schon bei früherer Gelegenheit betont: «Unsere Moral zeigt mir: Wir gehören zu den Besten der Welt.»

Weniger differenziert sieht es Stéphane Henchoz: «Wer sich in dieser Gruppe nicht qualifiziert, macht es absichtlich», beschrieb der Ex-Internationale die Leistungskultur in der Schweizer Qualifikationskampagne. Mit solchen Einwürfen kann Xherdan Shaqiri wenig anfangen. Der Basler ist auf seiner Tour d’Horizon über Europas Ersatzbänke mittlerweile in Stoke on Trent in den englischen Midlands angelangt; was Körpersprache und Mimik betrifft, aspiriert er aber noch immer für den Fussball-Olymp. Nicht alle teilen diese Meinung. Die für ihre Zurückhaltung geschätzte nationale Nachrichtenagentur «Sportinformation» ortet beim Dribbler «strukturelle Probleme auf Kopfhöhe». Gemeint ist nicht das Kopfballspiel.

Es ist davon auszugehen, dass Shaqiris gelegentlicher Hang zur Dienstverweigerung im Nationaldress auch mit seinem Übungsleiter zu tun hat. Denn im Vergleich zu Vorgänger Ottmar Hitzfeld besitzt Petkovic die Aura eines defekten Flutlichtmastes. Und im Umgang mit wohlstandsverwahrlosten Jungprofis gilt das Prinzip: Zwei Champions-League-Siege zählen mehr als die Meriten eines Sozialarbeiters im Tessin. So stellt man sich beim SFV momentan die Frage: Wollen wir mit Petkovic in die Zukunft? Das Zögern lässt nur einen Schluss zu: Die Zukunft endet nach der Euro 2016 in Frankreich – spätestens.

Kurzfristige Sorgen quälen den Schweizer Eishockey-Verband. Zwar hat sich der ungeliebte Nationaltrainer Glen Hanlon rechtzeitig vor dem ersten Länderspieltermin daran erinnert, dass er seine Familie in Kanada zu sehr vermisst, um sein Amt weiterzuführen. Doch die Nachfolgeregelung führt die Verbandsoberen von einem Fettnäpfchen ins andere. Die Avancen an den Wunschkandidaten Kevin Schläpfer prallten am Veto dessen Arbeitgebers EHC Biel ab. Also wählte man die Natel-Nummer des stellensuchenden Felix Hollenstein, tauschte vor der Medienkonferenz die Namenstäfelchen aus und lancierte den Ur-Klotener als interimistischen Schweizer Cheftrainer. Begründet wurde die Wahl mit der Rückkehr zu «Swissness» im Hinblick auf die Heim-WM 2020.

Leider wurde die Langzeitplanung fünf Tage später jäh durchkreuzt. Hollenstein will keine Verlegenheitslösung sein. Nach einem klärenden Gespräch mit seiner Ehefrau Barbara realisierte er, dass seine Schäferhunde auf keinen Fall vier Tage ohne ihn auskommen: «Aufgrund meiner momentanen familiären Situation ist es mir nicht möglich, meinen Fokus zu 100 Prozent auf die Nationalmannschaft zu legen», liess er verlauten. Mit anderen Worten: Wie Mark Twain spricht Hollenstein lieber zu Vierbeinern als zu Menschen.

Damit treten die Wunschkandidaten 1C und 1D, John Fust und Thierry Paterlini, an die Bande – als Interims-Vertreter des Interims-Ersatzes. Derweil macht sich Verbands-CEO Florian Kohler auf die Suche nach einer Lösung, die Nachhaltigkeit, Erfolgsgarantie und Swissness vereint. Noch bleibt bis 2020 etwas Zeit – und Kohler ein schlagkräftiges Argument: Wer kann schon einen Job bieten, in dem man nur während dreier Wochen pro Jahr unter Ernstbedingungen arbeiten muss und 49 Wochen Ferien geniesst?

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