Die Kosten eines Grexit wären für Griechenland enorm. Doch nach spätestens zwei Jahren ginge es dem Land wieder besser. Und ein paar Jahre später wäre es wieder kapitalmarktfähig. Den grösseren Schaden hätte die Euro-Gruppe, die mit dem Austritt ein Präjudiz schaffen würde, das andere Mitgliedstaaten unter Druck setzt. Allein der Umstand, dass ein Land austritt -- oder besser, herausgeekelt wird --, drängt finanziell angeschlagene Länder Richtung Exit.

Aber selbst wenn die Griechenlandkrise überwunden werden kann, die strukturellen Probleme bleiben. Die Krise zeigt, dass der Euro langfristig nur dann überlebensfähig ist, wenn gleichzeitig ein Mindestmass an finanzieller Solidarität zwischen den Ländern etabliert wird – sei es mit der Herausgabe von gemeinsamen Anleihen oder dem Transfer von Steuereinnahmen. Dafür kann sich die Eurozone noch Zeit lassen, aber irgendwann kommt der Tag, an dem sich die Mitgliedsländer dieser Diskussion stellen müssen.

Dass die Entstehungsgeschichte einer Währung sehr lange dauern kann, zeigt nicht zuletzt der Fall der Schweiz. Die Nationalbank wurde vor über 100 Jahren gegründet. Es dauerte aber nochmals mehr als 50 Jahre, bis 1959 der Finanzausgleich zwischen den Kantonen etabliert wurde. Die angeheizte Debatte um den neuen Finanzausgleich zeigt, dass auch in einem Land wie der Schweiz die institutionalisierte Solidarität zwischen verschiedenen regionalen Einheiten nicht selbstverständlich ist und immer neu verhandelt werden muss.

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