Der Kommentar: Über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben wurde schon oft gestritten, neu ist die Begründung, weshalb sie abgeschafft werden sollen: Eltern fehle die Zeit, um mit ihren Kindern den Stoff durchzugehen, was zu Konflikten führe. Ohne Hausaufgaben, so die Logik des Schulleiterverbandes, gebe es im Elternhaus weniger Spannungen.

Ob dem so wäre, oder ob man sich dann aus anderen Gründen zoffen würde, bleibe dahingestellt. So oder so ist es falsch, die Hausaufgaben zur Entlastung der Eltern abzuschaffen. Die Schule muss sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren – mit dem Ziel, dass sie bestmöglich und mit Freude lernen. Nun rücken aber die Bedürfnisse der Eltern in den Vordergrund, auch bei der Frage, wann der Unterricht beginnen soll: Die Forschung zeigt klar, dass Kinder und Jugendliche besser lernen, wenn die Schule um 8.30 Uhr und nicht schon um 7.30 Uhr startet. Trotzdem wird der frühe Schulbeginn fast überall beibehalten. Warum? Weil es für berufstätige Eltern praktischer ist. Das kann nicht das Kriterium sein.

Mit Blick auf den Lerneffekt spricht vieles für Hausaufgaben. Es ist eine Form selbstständigen Lernens, das in der Wissensgesellschaft wichtiger wird. Eltern erfahren dank den Hausaufgaben zudem, was die Kinder in der Schule machen; Väter und Mütter können so die Bildung nicht gänzlich «outsourcen». Allerdings sind Hausaufgaben kein Selbstzweck und auch kein Selektionsinstrument. Insbesondere ab der Oberstufe werden sie von Lehrern bisweilen im Übermass erteilt, mit eher darwinistischen als pädagogischen Motiven. Das Problem daran ist nicht, dass es die Eltern stresst. Sondern dass es den Schülern die Lernfreude nimmt.

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