Die Folgen sind verheerend. Die Institution Bundespräsident wurde beschädigt, die Schweizer Position gegenüber dem libyschen Diktator geschwächt. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass Gaddafi – der die innenpolitischen Dolchstösse sehr wohl mitbekommen hat – seine Spielchen mit der Schweiz immer weitergetrieben hat. Die Leidtragenden sind die beiden Geiseln in Tripolis. Libyen-Kenner Jean Ziegler mahnte umsonst, man möge die Kritik an Merz vorerst unter dem Deckel halten.

Dass der Chefredaktor einer Abendzeitung schreibt, man habe Merz nach seinem Zusammenbruch wohl ein zu grosses Herz eingepflanzt, ist unwürdig und stillos, aber erlaubt. Das Gleiche gilt für Äusserungen einer FDP-Partei-«Freundin», die öffentlich Rücktrittsforderungen formuliert.

Dass aber aus dem Schweizer Aussenministerium Rückenschüsse kommen – ja dass dort der Ursprung der Demontage liegt: Das geht nicht. Es unterminiert die Befreiungsbemühungen. Wie soll Libyen einen Präsidenten ernst nehmen und sich an Abmachungen halten, wenn dieser zu Hause zum Clown gemacht wird?

Diese Demontage ist der wahre Skandal in der Libyen-Affäre. Und nicht die Entschuldigung oder der Vertrag mit dem Diktatorenstaat. Beides ist stossend, aber offenbar unumgänglich, um die beiden grundlos in Tripolis festsitzenden Schweizer endlich freizubekommen.

Merz hat mit seiner Aktion sein Amt und seinen Ruf riskiert. Für diese Tat mit Herz verdient er Respekt. Es sieht so aus, als stünde ein Happy End für die Geiseln unmittelbar bevor.

Die Sache wird ein Nachspiel haben. Die kritischen Fragen an Merz wurden schon formuliert. Diejenigen an Calmy-Rey werden erst noch gestellt werden.