Eine Mitschuld am Debakel trägt die Verteidigungsstrategie der CS. Präsident Urs Rohner, in seinem früheren Leben CS-Chefjurist und mit dem US-Rechtssystem vertraut, sowie sein Nachfolger und Rechtschef Romeo Cerutti verfolgten von Anfang an eine harte Linie. Sie dachten, wenn sie den Amerikanern möglichst lange die Stirn böten, würden sie am Ende mit einer tieferen Busse belohnt. Sie lagen falsch: Je länger sie taktierten, je mehr Anwälte sie in die Schlacht warfen, desto teurer und desaströser wurde es für die Bank.

Auch über dieses Wochenende wird verhandelt. Die CS-Spitzen wollen bei der US-Seite herausholen, dass diese ihre Forderung nach einem formellen Schuldeingeständnis abschwächt. Dafür sind sie bereit, eine höhere Busse in Kauf zu nehmen. Diese Last-Minute-Verhandlungen sind hochgradig heikel: Denn so lange es keinen Deal gibt, so lange baumelt das Damoklesschwert einer Strafklage über der Bank. Als unabhängiger Beobachter wird man den Eindruck nicht los, den CS-Spitzenmanagern gehe es auch darum, ihre eigene Haut zu retten. Wie das wohl die Aktionäre finden, welche die Rekordbusse berappen müssen? Es stellt sich längst nicht mehr die Frage, wer die Schuld an diesem Debakel trägt, sondern wer die Verantwortung dafür übernimmt. Nur ein Rücktritt der obersten Chefs der Bank kann das zerstörte Vertrauen wiederherstellen. Für einen Neuanfang braucht es neue Köpfe.

Ein Desaster ist die Kapitulation der CS aber auch für die Finanzmarktaufsicht Finma. Sie hat als Watchdog der Geldbranche genauso versagt. Jahrelang sah die Behörde weg, wenn Finanzinstitute das Bankgeheimnis missbrauchten. Sie beharrte auf dem Standpunkt, dass sie nur sicherstellen müsse, dass Schweizer Recht eingehalten wird. Der frühere Finma-Vizepräsident rechtfertigte sich diese Woche für dieses Versagen und bezeichnete die Amerikaner als «masslos», sie hätten die Bodenhaftung verloren.

Ist es wirklich so, dass die Amerikaner übertreiben? Zweifel sind spätestens seit den drakonischen Strafen gegen eigene Banken angebracht. Was haben US-Behörden denn gemacht? Sie haben in mühsamer Ermittlungsarbeit haarstäubende Rechtsverletzungen von Schweizer Bankangestellten in den USA aufgedeckt. Es sind US-Staatsanwälte, die Licht in die Dunkelkammer des Schweizer Privatbankings gebracht haben.

Die Geschichte wiederholt sich. Zum Glück nicht für die Berner Politik, die sich weigerte, «den Banken» ein zweites Mal aus der Patsche zu helfen. Auch das hat die CS falsch eingeschätzt. Bis vor wenigen Tagen glaubte sie noch, mit der «Too big to fail»-Keule die Politik auf Notrecht-Kurs zu bringen. Vor fünf Jahren funktionierte das noch. Das zeigt: Nicht nur die Bilanzen der Grossbanken schrumpfen, sondern auch deren Macht und Einfluss in der Politik.

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