Der Kommentar: Ich gehöre zu den 49,7 Prozent, die die Zuwanderungsinitiative der SVP abgelehnt haben. Nach meinem Geschmack ist sie unliberal und zu fest auf die engen Grenzen des Nationalstaatsfixiert, und sie führt zu einer Konfrontation mitunseren europäischen Nachbarn.

Selbst hartgesottene Gegner müssen nun aber anerkennen, dass die neue Verfassungsbestimmung hilft, alte Denkstrukturen aufzuweichen und Reformen anzustossen. Vor einer Woche wurde bekannt, dass Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann mit der Benachteiligung der höheren Berufsbildung Schluss machen will, um junge inländische Berufsleute besser zu fördern.

Unter dem Druck der Initiative, die den Fachkräftemangel verschärfen wird, zieht nun die Wirtschaft mit eigenen Initiativen nach, um mehr Frauen, Älteren und Jungen aus dem Inland eine Beschäftigung zu bieten. Nach der Sommerpause werden die Arbeitgeber ein Bündel entsprechender Massnahmen vorstellen, darunter die bessere Förderung berufstätiger Frauen.

Erstaunlich ist auch, welche politischen Allianzen sich nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative bilden. Sowohl die Sozialdemokratische Partei als auch die ultraliberale Denkfabrik Avenir Suisse, die sich sonst in nichts nahestehen, wollen die Zuwanderung durch Reformen im Inneren bremsen, namentlich durch den Abbau von Steuergeschenken für neu angesiedelte Firmen.

Es tut sich was im Land. Und das ist gut so.

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