Der Kommentar: Die feigen Anschläge des Islamischen Staates (IS) auf das Bardo-Museum in Tunis sind eine tragische Mahnung, dass es in den arabischen Ländern und in Nordafrika keine «Inseln» mehr gibt, die vor Terror sicher sind. Die Terroristen hatten den mörderischen Umgang mit ihren Waffen in einem Ausbildungslager im Nachbarland Libyen erlernt. Dort konnte sich der IS in den vergangenen Monaten einnisten, weil zwei konkurrierende Machtblöcke mit jeweils einer Regierung, einem Parlament und den entsprechende militärischen Kräften sich gegenseitig bekämpfen. Staatliche Strukturen fehlen völlig. Es gibt ein Machtvakuum, das den Dschihadisten grosse Bewegungsfreiheit ermöglicht. Genau der Nährboden, den der IS auch im Irak und in Syrien vorfindet.

Libyen ist zu einem Anziehungspunkt für Hunderte Extremisten aus vielen, vor allem nordafrikanischen Ländern geworden, die sich der Organisation anschliessen wollen. Viele reisen von dort aus ins syrisch-irakische Kampfgebiet. Während in Libyen der IS ein Kalifat mit Zentrum in Derna einrichten möchte, ging es in Tunesien darum, das Modell eines islamischen Staates zu zerstören, der Demokratie und Menschenrechte hochhält.

Die libysch-tunesische Verquickung hat sofort Stimmen laut werden lassen, die ein militärisches Eingreifen in Libyen fordern. Sie scheinen vergessen zu haben, dass es 2011 ein ausländischer Militäreinsatz war, an dessen Ende Libyen ein mit Waffen überschwemmtes Land ohne Institutionen war; der Anfang von Chaos und unzähligen bewaffneten Milizen. Die Antwort muss in beiden Ländern dieselbe sein. Es braucht einen nationalen Konsens, um der Gefahr des Terrorismus wirksam zu begegnen.

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