Die Krise, die mehr ist als eine Wirtschaftskrise: Das wird das Thema der Bundesfeier-Ansprachen sein, die in rund 2500 Schweizer Gemeinden gehalten werden. Krise – dieser Begriff relativiert sich, wenn man wie Anna Huber seit 1899 lebt. «Herrschaft noch einmal», sagt sie, die zwei Weltkriege erduldet hat, es sei nicht selbstverständlich, dass wir heute Frieden hätten. «Wir müssen das schätzen!» Und trotz Krise gebe es in unserem Land grossen Überfluss. «Es wird nicht gespart. Heute wird alles verschwendet. Vielleicht wären wir eines Tages noch froh, wir hätten das, was wir weggeworfen haben, aufbewahrt.»

Im Jammern waren wir Schweizer schon immer gut, sogar in der Hochkonjunktur. Jetzt sind wir es ganz besonders. Oftmals jammern aber nicht jene, die Grund dazu hätten – das jämmerlichste Gejammer der letzten Monate habe ich an einem Nachtessen auf Einladung einer Bank gehört, als sich Banker gewaltig über die Politik und auch über die Medien beklagten, die schuld seien, dass sie nun Auflagen und Beschränkungen hinnehmen müssten. Die älteste Schweizerin ist kein Jammeri: «Man kritisiert ja viel. Wegen der Regierung und so. Aber reklamieren ist einfacher, als es selber recht zu machen.»

Erstaunlich und rührend, wie zufrieden die Frau wirkt, die ihr Leben lang gechrampft hat und deren Devise Bescheidenheit ist. Gefragt, was denn ihr Rezept für ein langes Leben sei, antwortet sie: «Am besten ist es, wenn man nicht übertreibt. Nicht hoch angibt.»

Auch eine Botschaft zum 1. August – ebenso einfach wie intelligent.