Ich bin für harte politische Auseinandersetzungen und gegen Plakatverbote. Aber alles hat eine Grenze. Die Jungsozialisten haben sie mit ihrer Kampagne für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten überschritten. Auch die Initianten der Minarett-Initiative haben die Grenze überschritten, wenn sie ein Videospiel anbieten, bei dem man Minarette versenkt.

Soll die Presse über diese irren Aktionen berichten? Oder soll sie diese ignorieren, weil Publizität genau das ist, was die Urheber wollen?

Die Antwort ist klar: Die Medien sollen berichten. Das blutige Sujet prangt prominent auf der Internetseite der Juso, treibende Kraft ist Cédric Wermuth, ein ernst zu nehmender Politiker, der immerhin SP-Vizepräsident ist. Auch die Videogame-Initianten sind ernst zu nehmende Politiker aus der Regierungspartei SVP. Einfach wegzuschauen, wenn demokratische Parteien Hass säen, wäre falsch. Denn die Verrohung hat Folgen.

Doris Leuthard formuliert es diplomatisch: «Leider gibt es immer wieder Aktionen, bei denen die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden. Das untergräbt eine lebendige, integrierende Politkultur.»

Wer von Polit- und Streitkultur spricht, muss sich seit Jahren von der SVP und seit neustem auch von SP-Politikern als Moralist verhöhnen lassen. Doch ist es wirklich so, dass nur der Inhalt zählt und der Stil egal ist?

Ist es egal, wenn ein Klima geschaffen wird, in dem die Argumente im Getöse der Provokateure untergehen, in dem Gegner der Minarett-Initiative bedroht werden, in dem eine Bundesrätin mit Stiefeln beworfen wird?

Ist es erst dann nicht mehr egal, wenn einmal richtiges Blut fliesst?