Der Kommentar: Von einem vollberuflichen Vormund, der von den Behörden mit zahlreichen Mündeln – Kinder und Erwachsenen – betraut ist, darf man erwarten, dass er sich adäquat um sie kümmert. Das ist im Fall von Florian B. offenkundig nicht geschehen. Die Fragen liegen auf der Hand: Warum hat die Vormundschaftsbehörde den verhaltensauffälligen IV-Bezüger nicht besser betreut? Warum hat der Vormund nicht nach Waffen gefragt und kein psychologisches Gutachten erstellen lassen? Viele werden wohl der Stiefmutter des Täters zustimmen, die im «Blick» sagte: «Die Behörden sind schuld.» Man könnte diesen Satz allerdings fast beliebig variieren:

Das Waffengesetz ist schuld; die Psychologen sind schuld; die Polizei, die die Waffen nicht gefunden hatte, ist schuld. Und nun eben: Der Vormund ist schuld.

Das greift aber zu kurz. Das Waffengesetz wurde bereits verschärft. Seit Anfang Jahr gilt das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, welches das veraltete Vormundschaftsrecht aus dem Jahr 1907 ablöst. Doch Taten wie jene von Daillon lassen sich alleine dadurch nicht verhindern.

Die Öffentlichkeit scheint sehr genau zu wissen, was wir von Behörden und von Gesetzen erwarten. Was aber darf man von einer Gemeinde wie Daillon erwarten – einem 400-Seelen-Dorf, wo jeder jeden kennt, wo die meisten wussten, wie es um Florian B. steht? Und was von seiner Familie? Keiner mochte sich mit Florian auseinandersetzen, doch jeder weiss eine Geschichte über ihn zu erzählen. Nicht zum ersten Mal schaute die Bevölkerung zu im guten Gewissen, dafür eine Behörde zu haben.

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