Selbst in dieser Woche, als der Basler Agrochemiekonzern Syngenta an den Staatskonzern Chem China verkauft wurde, blieb es ziemlich ruhig. Der Bundespräsident sprach von einem «guten Deal», und auch die Ems-Unternehmerin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher sieht kein Problem darin, obwohl es ein kommunistischer Staat ist, der nun Syngenta besitzt (siehe Interview links). Die Übernahme grosser Firmen durch Ausländer – diese Art von Überfremdung ist akzeptiert. Das ist zunächst gut und auch erklärbar, denn die Schweiz lebt seit Jahrzehnten eine eigentümliche, aber höchst erfolgreiche Dualität: Hier unsere immer internationalere Wirtschaft, da die politische Schweiz, die auf Eigenständigkeit und Unabhängigkeit pocht.

Doch sind die sich häufenden Firmenverkäufe für die Schweiz wirklich gut? Zweifel sind angebracht. Wirtschaftsanwalt Peter Nobel – ein liberaler Kopf – sagt: «Ein Teil der wirtschaftlichen Macht eines Landes beruht darauf, die Kontrolle über die eigenen Assets (Vermögenswerte) zu haben.» Die Schweiz lebe von ihrem Know-how, ihrer Reputation und ihrer Innovationskraft. «Solche Werte sind ein Stück weit mit der Eigentümerschaft verbunden. Wenn diese verloren geht, können sich auch unsere Werte verflüchtigen.» Diese Überlegung wurde bislang kaum angestellt. Sind wir unterwegs zu einem «Wimbledon-Modell», wie es die Engländer nennen: Die Schweiz stellt anderen den Tennisplatz zur Verfügung, spielt aber nicht mehr mit eigenen Spielern mit? Die Risiken dieses Modells liegen auf der Hand: Der Austragungsort – der Standort – ist heutzutage schnell gewechselt. Arbeitsplatzverlagerungen werden bei Multis, deren Zentrale weit weg ist, schon mal mit einem Federstrich beschlossen.

Noch gibt es viele einheimische Tennisstars wie Swatch Group, Ems oder Schindler. Aber es werden weniger. Es wäre falsch, Übernahmen durch chinesische (oder überhaupt ausländische) Investoren zu erschweren. Die Verantwortung liegt bei den Eigentümern und Verwaltungsräten der Unternehmen. Darum bleibt nur die Hoffnung, dass sie diese auch wahrnehmen und nicht, wie bei Syngenta, den Weg des geringsten Widerstands gehen und lieber ins Ausland verkaufen, statt für eigenständige Lösungen zu kämpfen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper