Der Kommentar: Die Londoner «Financial Times» warnte gestern eindringlich vor einem Brexit. Es gehe um die Zukunft einer ganzen Generation. Die liberale Zeitung plädiert nicht aus schwärmerischer Liebe zur EU für den Verbleib im 28er-Club, sondern weil es im «Eigeninteresse» des Landes sei: Seine Prosperität und Sicherheit seien in der EU besser gewährleistet. Auch der deutsche «Spiegel» stimmt in seiner neusten Ausgabe dramatische Töne an: «Ein Brexit würde die EU in ihren Grundfesten erschüttern und womöglich eine Kettenreaktion auslösen, die das Potenzial hat, die ganze Gemeinschaft in Trümmer zu legen.» In der Tat: Würde Marine Le Pen 2017 zur Präsidentin Frankreichs gewählt werden, liesse auch sie ihr Volk über einen Austritt aus der EU abstimmen.

Manche EU-Skeptiker in der Schweiz glauben, ein Brexit wäre gut für die Schweiz. Damit unterliegen sie aber einem Denkfehler. Egal, wie sich unser Verhältnis zur EU entwickelt: Sie wird für die Schweiz wirtschaftlich und politisch immer von grosser Bedeutung sein. Und da liegt uns eine EU mit Grossbritannien wesentlich näher als eine EU ohne Grossbritannien. Denn die Briten machen die EU wirtschaftsliberaler, föderalistischer, unbürokratischer. Cameron versucht zurzeit, in Brüssel Veränderungen durchzusetzen, die ihm beim eigenen Volk Argumente für die EU liefern sollen: Er will Verschärfungen bei den Sozialleistungen für Zuwanderer erreichen, die nationalen Parlamente stärken, das Gewicht von Nicht-Euro-Staaten in der EU erhöhen. All das klingt ziemlich schweizerisch. Das Beste für die Schweiz wäre darum, wenn Cameron der EU unter dem Druck des Referendums solche Reformen abringen könnte. Und die Briten danach für einen Verbleib in der EU stimmen würden.

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