Das Schicksal von Raoul Weil, des ehemaligen Chefs der UBS-Vermögensverwaltung, ist eng mit dem Niedergang des Bankgeheimnisses verbunden. Hautnah hat er den Absturz der UBS miterlebt. Im November 2008 wurde er von einem amerikanischen Staatsanwalt in Florida angeklagt und im Januar international zur Fahndung ausgeschrieben. Von der UBS fallengelassen, fand er bei einer kleinen Vermögensverwaltung in der Schweiz Unterschlupf.

Vergangene Woche ist er in Bologna den Amerikanern ins Netz gegangen. Um 2 Uhr in der Nacht klickten die Handschellen, seither sitzt er in Haft. Er wird sich gegen die Auslieferung zur Wehr setzen. Seine Aussichten sind nicht die schlechtesten. Mit voller Wucht bekommt er die ganze Härte des amerikanischen Justizapparats zu spüren. Mutig sind die, die sich freiwillig den Amerikanern stellen.

Wie weit der Arm des amerikanischen Gesetzes reicht, musste diese Woche auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren. Eines ihrer Handys wurde mutmasslich vom Geheimdienst NSA abgehört. «Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht», sagte die mächtigste Frau der Welt einigermassen fassungslos. Ueli Maurer pflichtet bei. Plötzlich sitzen die Schweiz und Deutschland in einem Boot.

Das ist das tröstliche an den Enthüllungen von Eduard Snowden. Wir Schweizer sehen, dass wir nicht die Einzigen sind, die von den Amerikanern am Gängelband geführt werden. Anderen Staaten, weit mächtigere als die kleine Schweiz, ergeht es nicht besser. In der Sache wird US-Präsident Obama und sein unheimlicher Schnüffelapparat nicht nachgeben. Sie werden weiterspitzeln, was die weltweiten Datennetze hergeben. Die Geheimdienste sind darauf programmiert. Moralisch sehen sie sich im Recht. So falsch das auch sein mag.

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