Antwort von Oswald Grübel: «Die Frage sollte anders herum gestellt werden: Was halten wir von den Problemstaaten? Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und auch Italien haben in den Jahren seit ihrem Euro-Beitritt klar über ihre Verhältnisse gelebt und das nicht zugeben – und schon gar nicht die Konsequenzen daraus wahrhaben wollen.

Vor dem Beitritt zum Euro hatten diese Länder viel höhere Zinssätze als zum Beispiel Deutschland. Diese hohen Zinssätze zwangen sie zu einer gewissen Haushalts-Disziplin. Mit der Einführung des Euro – oft zu viel zu generösen Wechselkursen – ging diese Disziplin verloren. Löhne und Preise verdoppelten sich, ohne dass ein Mehrwert geschaffen wurde. Schulden wurden gemacht, denn jeder stellte fest, dass es zu diesen tiefen Zinssätzen mehr Sinn machte, das Geld auszugeben, als es zu sparen. Die Banken halfen mit neuen Krediten nach.

Nun ist die Party vorbei. Alle wachen mit einem Kater auf und kommen überein, dass die Deutschen dafür bezahlen sollen, da es ihnen, wie es scheint, am besten geht und sie deshalb verpflichtet sind, den anderen Staaten zu helfen. Deutschland sollte sich darauf nicht einlassen. Die Disziplin der Zinsen sollte wieder herrschen. Das ist das Einzige, was wir verstehen und letztlich akzeptieren müssen. In den nächsten Jahren wird es kein Wachstum geben. Wir haben alles schon vorweggenommen. Lösen können wir das Problem nur, wenn wir die Schulden reduzieren und aufhören zu träumen, der Aufschwung sei um die Ecke – oder er liesse sich durch noch mehr Schulden herbeiführen.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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