Bei den deutschen Politikern verhält es sich umgekehrt. Kohl, Schröder und Fischer mochten wir. Die heutigen Rumpelpolitiker vor allem aus der SPD nerven aber nur noch. Sie missachten, wenn es gegen die Schweiz geht, sämtliche Spielregeln des Anstands. Leider ungestraft.

Peer Steinbrücks damalige Indianer-Aussage mutet fast liebevoll an, verglichen mit den Blutgrätschen von SPD-Chef Sigmar Gabriel, einem Mann mit Kanzlerambitionen. Er warf den Schweizer Banken diese Woche «organisierte Kriminalität» und «bandenmässiges Verhalten» vor. Die Schweiz als Hort einer mafiösen Branche? Da erinnern wird uns wehmütig an den SPD-Kanzler Gerhard Schröder, der als erster deutscher Regierungschef konsequent begann, die Eigeninteressen seines Landes durchzusetzen – aber mit Anstand.

Die Schweiz braucht nicht zurückzugrätschen, aber die gespenstische Ruhe im Bundeshaus hat diese Woche doch erstaunt. Kein Politiker stand hin und sagte in aller Deutlichkeit: So nicht, liebe Nachbarn! Es ist richtig, dass nun Bundesrat Ueli Maurer («ungehörig») und Ex-UBS-Chef Oswald Grübel («Bigotterie») die deutschen Rumpelpolitiker an ihre Verantwortung erinnern. Noch schöner wäre es, wenn die Schweizer Sozialdemokraten bei ihren deutschen Genossen intervenieren würden.

Gerade Deutschland müsste sich Fairness und eine gewisse Zurückhaltung auferlegen – weil es Europas mächtigster Staat ist, aber auch aus Rücksicht auf die mehr als 200 000 Deutschen, die hierzulande leben. Niemand kann ein Interesse daran haben, dass der Eindruck eines «Kriegszustands» («Frankfurter Allgemeine») entsteht. Die SPD-Politiker sollten sich ein Beispiel an ihrer Nationalelf nehmen.

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