Die «Washington Post» lieferte unter dem Titel «How Snowden became a bigger story than the NSA Spying» ein anschauliches Beispiel für das Versagen der Medien als «Wachhunde der Demokratie». Mit dem Analysetool «Google Trends» zeigte die Zeitung auf, dass die US-Medien nur gerade zwei Tage über das Überwachungsprogramm Prism berichteten – und dann fast nur noch über Enthüller Edward Snowden. Bei «Google News» finden sich 628 Millionen Treffer zu Snowden, nur 235 Millionen zu Prism.

Die US-Jagd auf Snowden ist nicht unwichtig – sie zeigt auf, wie sich ein demokratischer Rechtsstaat gegen Demokratie und Transparenz für seine Bürger zur Wehr setzt – und mit ihm auch viele europäische Staaten. Allzu oft aber dominieren auch in Schweizer Medien Gossip («Snowden lästerte über die Schweiz») oder Live-Ticker («Snowden sitzt am Moskauer Flughafen fest»). Dabei markieren Prism und das britische Gegenstück Tempora das folgenschwerste Demokatieversagen jüngeren Datums. Regierungen, die ihre Bürger im Geheimen überwachen? Das gabs bisher nur bei den Feinden des Westens.

Wissen Sie, wie die US-Behörden unseren Internetdatenverkehr überwachen? Wenn nicht, haben sie in den letzten Wochen wohl die falschen Zeitungen gelesen.

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