Der Kommentar: Der Fachkongress Alter in Basel hat diese Woche in aller Deutlichkeit aufgezeigt, dass die demografische Alterung eine grosse Herausforderung nicht nur für die Alters- und Pflegeinstitutionen, sondern für das gesamte Gesundheitssystem ist. Es sind neue, innovative Modelle und qualitätsorientierte Nachhaltigkeit gefragt.

Mit der erfreulicherweise zunehmenden Lebenserwartung werden auch die Pflegekosten steigen, was zu einem höheren Kostenbewusstsein der öffentlichen Hand führt. Mehr Kostenbewusstsein der öffentlichen Hand heisst in der Tendenz jedoch, weniger bezahlen zu wollen. Gleichzeitig steigt in allen Kantonen die Reglementierungswut – also die Vorgaben für die Alters- und Pflegeinstitutionen. Diese steigende Regulierung führt zu einer massiven Erhöhung des administrativen Aufwandes in den Institutionen.

Während die Mitarbeitenden in den Alters- und Pflegeinstitutionen ein Formular nach dem anderen ausfüllen müssen, können sie sich nicht um die Bewohnenden kümmern. Die primäre Qualität ist aber die zwischenmenschliche Qualität, wie sie von den Bewohnenden wahrgenommen wird. Qualität ist für die Bewohnenden nicht nur medizinische Pflege, sondern auch menschliche Nähe; sprich persönliche Begleitung, Empathie und Fürsorge. Das wird in der heutigen finanzpolitisch dominierten Diskussion leider oft vergessen.

Ein gesundes Mass an kantonalen Vorgaben ist sinnvoll und wichtig. Qualität in Alters- und Pflegeinstitutionen lässt sich aber nicht nur durch beispielsweise medizinische und bauliche Faktoren gewährleisten. Was Qualität ist, das bestimmen die Bewohnenden! So wie die Bewohnenden – unsere Eltern und in Zukunft wir alle – die Qualität selbst bestimmen, so legen wir als Gesellschaft gemeinsam fest, was uns die Pflege unserer Eltern sowie in Zukunft von uns selber wert ist – was wir also über die Steuern und Versicherungsprämien dafür bezahlen wollen.

Aufgrund der demografischen Alterung und der entsprechend höheren Anzahl pflegebedürftiger Menschen werden wir steigende Pflegekosten haben. Parallel steigen die Ansprüche an die Pflegequalität. Hier zu fordern, dass die öffentliche Hand diese geforderte Qualität allein bezahlen soll, greift freilich zu kurz.

Die Finanzierung kann dann gesichert werden, wenn alle Akteure (Krankenkassen, Bund, Kantone, Gemeinden, Private) die Lasten tragen und wenn die Spielregeln der Pflegefinanzierung auch von allen eingehalten werden. Es braucht eine Reduktion der Überregulierung und mehr freien Wettbewerb unter den Alters- und Pflegeinstitutionen. Wenn wir eine umfassende Lebensqualität erreichen und fördern wollen, müssen wir die Mittel für eine hochwertige Pflege und Betreuung sicherstellen.

Seit rund drei Monaten versuchen einzelne Medien, der Branche der Alters- und Pflegeinstitutionen ein Abzocker-Image zu verleihen. Das ist mehr als bedauerlich und auch falsch, zumal heute ein Grossteil der Alters- und Pflegeinstitutionen weniger Geld für ihre Pflegeleistungen erhält, als für ein ausgeglichenes und verantwortungsbewusstes Budget nötig wäre. Einem Grossteil der Alters- und Pflegeinstitutionen fehlt somit Geld für nachhaltige Investitionen und Renovationen, für deren Finanzierung sie per Gesetz selber aufkommen müssen.

Curaviva Schweiz setzt sich aber auch für die geforderte Transparenz ein. Die Bewohnenden und Angehörigen sollen sehen, welche Institution welches Angebot hat, und die monatliche Abrechnung verstehen. Dessen sind sich die Alters- und Pflegeinstitutionen auch bewusst.

Die Branche wehrt sich jedoch gegen die steigende Überregulierung und die damit verbundenen administrativen Mehraufwände, zumal eine Überregulierung nicht automatisch zu mehr Qualität und Transparenz führt. Im Gegenteil: Sie bedeutet Mehraufwand und steigende Kosten. Was wir für die Zukunft benötigen, ist vor allem eines: wieder mehr Vertrauen unter den Partnern im Gesundheitswesen.

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