Nur selten legen Informanten ihre Motive offen. In diesem Fall aber geschah genau dies. «Wenn es mir auf diesem Weg gelingt, die Politiker dieses Landes aufzurütteln oder die Führung der UBS dazu zu bringen, ihr Vorgehen noch einmal zu überdenken, dann habe ich mein Ziel erreicht», liess sich der Mann zitieren, dessen Informationen der «Tages-Anzeiger» vor einer Woche zur Schlagzeile machte: «Bis zu 10 000 Stellen in Gefahr.» Dieses Horror-Szenario wird, wie «Der Sonntag» nun aus dem Innern der Bank erfahren hat, nicht eintreffen – effektiv sollen 3000 bis 5000 Jobs wegfallen.

Kann man aber Mitarbeitern , die sich nicht an die Vertraulichkeit halten, pauschal Illoyalität vorwerfen? Ganz so einfach ist es nicht. Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit. Und dieser «Treuevertrag» zwischen den Banken und ihren Angestellten ist schon infrage gestellt – von oben her.

Oswald Grübel, Ermottis Vorgänger an der UBS-Spitze, äussert sich in seiner «Sonntag»-Kolumne zum Thema Indiskretionen (siehe unten). Ohne Namen zu nennen, schreibt er Bemerkenswertes: «Viele Angestellte mussten erkennen, dass ihre Loyalität zur Firma mit Füssen getreten wurde, und sie greifen zur einzigen Waffe, die sie ihrer Meinung nach noch haben, um die Zustände transparent zu machen. Sie wenden sich an die Medien.» Grübel verweist auf Boni für
die Chefs, die auch in schlechten Zeiten flossen, und auf die Herausgabe von Mitarbeiterdaten an die USA.

Illoyalität kann ganze Unternehmen destabilisieren, Regierungen sprengen, Ehen auseinandergehen lassen.

Nicht nur auf die Banken, auch auf andere Wirtschaftszweige kommen schwierigere Zeiten zu. In solchen Zeiten erhalten Werte wie Loyalität und Ehrlichkeit neue Bedeutung. Man wird sehen, wo sie noch vorhanden sind. Und wo nicht.

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