Auch Brady Dougan hat zwei Kinder und lebt in der Nähe von Zürich. Er ist Chef der Credit Suisse und hat letztes Jahr 19,2 Millionen Franken verdient. In diesen Tagen bekommt er weitere 71 Millionen aus einem Bonusprogramm von 2005. «Die Credit Suisse hat sich sehr gut entwickelt – daher der Erfolg dieses langfristigen Programms», begründete Dougan den Geldsegen im «Sonntag»-Interview.

Ist der Lohn von Buschauffeur Blunier ein Skandal? Ist der Bonus von Bankchef Dougan ein Skandal? Hat das eine überhaupt mit dem anderen zu tun?

Fakt ist: Familie Blunier ginge es nicht besser, wenn Familie Dougan weniger verdienen würde. Die Rechtfertigung der CS für das Rekord-Bonusprogramm ist nicht falsch: Dank dem Bonusprogramm blieben die guten Leute der CS in ihrer Krise treu. Sie brachten die Bank wieder auf Kurs und meisterten die Finanzkrise vergleichsweise gut. Investmentbanker funktionieren offenbar nur mit solchen Anreizen. Traurig genug.

Fakt ist aber auch: Es ist unwürdig und unhaltbar, dass in einem Land, in dem Banker Millionen kassieren, Menschen leben, die einem seriösen Beruf nachgehen, Vollzeit arbeiten und trotzdem nicht über die Runde kommen.

Das ist der wahre Skandal!

Unser Parlament schimpft in einer Sondersession über die Geldsäcke in den Banken, die Parteien überbieten sich im Kampf gegen die Abzocker, weil sie sich davon Wählerstimmen versprechen. Schön. Und gut, dass hier endlich etwas geht.

Wann aber trifft sich unser Parlament zu einer Sondersession, um über Leute wie die Bluniers zu reden? Über die Bekämpfung der Armut in diesem Land?