Der Kommentar: Schwyz ist ein zutiefst bürgerlicher Kanton. Fünf der sieben Sitze in der Regierung sind in der Hand von SVP und FDP. Die Schwyzer sind mit dem Kurs dieser Parteien gut gefahren: Noch in den 1950er-Jahren war Schwyz ein Subventionsempfänger, ein armer Bauernkanton. Heute zahlt Schwyz jährlich 130 Millionen Franken in den Finanzausgleich. Schwyz hat soeben Zug als Kanton mit der tiefsten Steuerquote überholt.

Die Kehrseiten der Tiefststeuerpolitik treten immer deutlicher zutage: Für Reiche ist Schwyz ein Steuerparadies, die Mittelschicht gerät zunehmend unter die Räder. Staatliche Zuschüsse für den öffentlichen Verkehr, Krankenkassenverbilligungen oder Kinderbetreuung sind auf das absolute Minimum beschränkt. Die Mieten steigen derart, dass viele Einheimische aus dem Kanton gedrängt werden.

2013 wird Schwyz ein Minus von 100 Millionen Franken in der Kantonskasse verbuchen. SVP und FDP stellen sich gegen eine Erhöhung der Kantonssteuern. Die CVP hat sich letzte Woche im Kantonsrat erstmals für mehr Steuern eingesetzt. Und als erster Exekutivpolitiker wagte CVP-Regierungsrat Othmar Reichmuth, den politischen Kurs des Kantons zu kritisieren.

Dass in der Gemeinde Lachen, in der SVP und FDP zusammen 62 Prozent Wähleranteil halten, eine SP-Initiative für mehr bezahlbaren Wohnraum angenommen wird, ist eine kleine Sensation. Dass in vielen Gemeinden Steuererhöhungen bewilligt werden, auch. Wenn die Politik nicht auf Probleme reagiert, reagieren die Bürger. Das ist der unschätzbare Wert der direkten Demokratie. In Schwyz. Und der Schweiz.

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