Wir staunen über Eyjafjallajökull. Ein Wort, das wie Blindtext aussieht und für Inselberggletscher steht. Darunter befindet sich ein Vulkan, der halb Europa lahmlegt. Und schon streiten sich die Wissenschafter. «Die Eruption des isländischen Vulkans gehört weltweit eher zu den kleinen Ereignissen», sagte ETH-Klimaforscherin Ulrike Lohmann gestern im «Tages-Anzeiger». Ihr ETH-Kollege und Vulkanexperte Peter Ulmer meint dagegen heute im «Sonntag»: «Ich schätze, dass die Explosionen Tage bis im schlimmsten Fall Wochen andauern.» Dabei weiss niemand wirklich Genaueres.

wie lange bleiben die Flugzeuge am Boden? Was bedeutet es für das Klima? Was für die Wirtschaft? Es gibt keine Antworten darauf, denn der Ausbruch des Vulkans auf Island ist ein Ereignis, «das in der Neuzeit in Europa noch nie passiert ist» (Marcel Haefliger, Meteo Schweiz). Selbst die UBS rückt in den Hintergrund, verdrängt Ospel und Co., die gut daran tun würden – dieses Wortspiel muss sein –, Asche aufs Haupt zu streuen.

Eyjafjallajökull löst eine Mischung aus Faszination und Schrecken aus. Die deutsche «Bild»-Zeitung nahm den Schlagzeilen-Hammer hervor: «Das Asche-Monster». Der Vulkan zeigt aber auch mit aller Naturgewalt auf, wie abhängig wir sind. Vom nächsten Flug. Vom nächsten Zug. Vom nächsten Termin. Es ist ein ständiger Tanz auf dem Vulkan. Nun wirft uns die Asche aus der Bahn. Bundesrat Moritz Leuenberger freut sich im grossen «Sonntag»-Interview darüber: «Ich merke bei mir, dass eine solche Zäsur guttut.» Vielleicht ist der Vulkan mit dem unaussprechlich schönen Namen in Island nicht nur ein «Monster».