Der Kommentar: Die früheren Partner sind zu Gegnern geworden, insbesondere die USA, aber auch die EU oder die OECD, der Club der reichen Industrienationen. Sie alle fordern von der Schweiz mehr Kooperation, mehr Datenaustausch, weniger Rosinenpickerei. Der Schweiz stehen deshalb innenpolitisch schwierige Jahre bevor.

Schweizer Politiker, welche die Probleme anerkennen, gelten sofort als rückgratlos. Man wirft ihnen vor, dass sie dem Druck aus dem Ausland nicht standhalten, dass sie einknicken und die Landesinteressen verraten. Das musste jüngst CVP-Präsident Christophe Darbellay nach seinem EWR-Vorstoss erfahren. Und auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf geriet heftig in die Kritik, als sie klarstellte, dass die Schweiz die EU-Forderung nach dem automatischen Informationsaustausch wird diskutieren müssen. Vielleicht war das Vorgehen der beiden ungeschickt, im Kern aber haben sie recht. Die nationalstaatlich uneingeschränkte Unabhängigkeit sowie das Bankgeheimnis sind nur noch Mythen. Doch die Politiker wollen das nicht akzeptieren und agieren scheinheilig: Sie kritisieren Widmer-Schlumpf für ihr Vorpreschen und begrüssen gleichzeitig das Fatca-Abkommen mit den USA. Dabei geht der US-Deal viel weiter als ein möglicher Datenaustausch mit der EU. Es ist eine faktische Verpflichtung zur einseitigen, umfassenden Datenlieferung – von der Schweiz in die USA.

Den Sonderfall Schweiz gibt es nicht mehr. Es ist Zeit, dass die Politik das anerkennt. Denn je früher die Schweiz sich auf die Suche nach möglichst vorteilhaften Antworten macht, desto besser sind ihre Chancen, diese auch umzusetzen. Sowohl für ihre künftige Beziehung zur EU als auch für den Erhalt eines erfolgreichen Finanzplatzes.

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