Der Kommentar: «Die göttliche Ordnung» ist eine sanft erzählte Geschichte mit einer kraftvollen Botschaft: Frau hat genug. Genug davon, keine Stimme zu haben. Genug davon, eine Bürgerin zweiter Klasse zu sein. Genug davon, nur mit der Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu dürfen. Nora, die von Marie Leuenberger gespielte Hauptprotagonistin, kämpft gegen die herrschende Männermacht, bis diese einlenkt. Das ist eine Geschichte, die auch 2017 noch wirkt. Gerade 2017, muss man leider sagen. «Die göttliche Ordnung» mag visuell eine Zeitreise in eine vergangene Schweiz sein – thematisch bewegt sich der Film sehr nahe an der Aktualität. In den USA ist ein Präsident an der Macht, dessen Frauenbild sich von jenem der stumpenrauchenden Appenzeller aus den frühen 70er-Jahren kaum unterscheidet. Die Aufschrei-Debatte des letzten Jahres hat gezeigt, dass sexuelle Übergriffe für Frauen immer noch Alltag sind. Arbeiten dürfen Frauen heute zwar, ohne um Erlaubnis zu fragen, aber bei der Frage nach gleicher Bezahlung stoppt der Fortschritt auch 2017.

Ja, «Die Göttliche Ordnung» ist erschreckend aktuell. Die Millionen Frauen, die nach der Inauguration von Donald J. Trump in den USA demonstrierten, kämpfen noch immer für das Gleiche wie Nora und ihre Mitstreiterinnen aus Trogen. Schon jetzt ist klar: «Die Göttliche Ordnung» wird weit über die Grenzen hinausstrahlen. Er wird global vertrieben. Zu Recht. Denn der Film erzählt zwar eine schweizerische Geschichte, aber eine mit universeller Gültigkeit – und höchster Dringlichkeit.

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