Dass nun ausgerechnet Donald Trump für eine gerechtere Welt sorgen soll, klingt wie ein Treppenwitz. Als windiger Geschäftsmann und Milliardär hat er massiv von den Steuersenkungen für die Superreichen profitiert. Trotz seines abgehobenen Lebensstils verfügt Trump über ein geradezu genialisches Gespür für die Sorgen der einfachen Leute auf dem Land.

Jetzt soll Trump die USA wiedervereinen. Das ist umso bemerkenswerter, als er einen Demokraten im Weissen Haus beerben wird. Hätte es nicht Barack Obamas Job sein müssen, für eine gerechtere Verteilung zu sorgen? Acht Jahre hatte er Zeit dafür – erreicht hat er nichts. Die Ungleichheit wurde unter seiner Führung nur noch grösser. Das ist das grosse Versagen von Obama.

«Make America great again» lautete der Kampfspruch von Trump. Auch wenn er kaum Wort halten kann, wenn er also keine Mauer zu Mexiko baut, keinen Handelskrieg mit China vom Zaun bricht und keinen Bruch mit der Nato provoziert – eines hat er bereits erreicht: Er hat dem ländlichen, mehrheitlich weissen Mittelstand den verlorenen Stolz zurückgegeben. Das ist ein Aktivposten, von dem er zehren wird. Doch der gebeutelte Mittelstand will schon bald Veränderungen sehen. Der Erfolg von Trumps Präsidentschaft wird entscheidend davon abhängen, ob er die Lebensbedingungen seiner Kernwählerschaft verbessern kann. Scheitert er, wird er in vier Jahren womöglich durch einen Politiker ersetzt, der noch extremere Positionen vertritt.

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