Der Kommentar: In der Schweiz tut sich ein neuer Graben auf: Zwischen jenen, die in der Stadt wohnen und mit dem Velo zur Arbeit fahren, und jenen, die auf dem Land leben und sich morgens ins Auto setzen. Die zweite Gruppe ist die grössere. Deshalb steigt die Motorisierungsquote seit Jahren. Bewegen sich die Städter umweltbewusst und gesund, während bei den Bewohnern auf dem Land und in den Agglomerationen die Bequemlichkeit obsiegt?

So einfach ist es nicht. Die Agglo-Bewohner sind nicht einfach unbelehrbare Auto-Fetischisten. Während die Städte ihren Bewohnern einen hervorragend ausgebauten, priorisierten öffentlichen Verkehr bieten und mit Verve Velowege planieren, kann es für sie schon einmal eine zeitliche Verdoppelung des Arbeitsweges bedeuten, wenn sie morgens in den Bus statt den eigenen Pw steigen.

Wer übers Land von Dorf zu Dorf fahren muss, wird wohl noch über Jahre hinweg auf das Auto setzen. Bei diesen Querverbindungen hätte der öV nur mit unverhältnismässig teuren Ausbauten eine Chance. Zumindest jene aber, die aus der Agglomeration in die nächste Grossstadt fahren, müsste der öffentliche Verkehr für sich gewinnen können. Jahrzehntelang sah es so aus, als würde dies gelingen. In den letzten drei Jahren aber ist das Gegenteil der Fall, das Auto wird wieder beliebter. Seit 2011 sinkt der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz; ein eigentliches Alarmsignal. Die Preise werden höher, die Zuverlässigkeit tiefer, das blieb den gut abwägenden Kunden nicht verborgen. Dass die öV-Branche Ende Jahr auf Preiserhöhungen verzichten will, ist deshalb ein erster, wichtiger Schritt. Dass der Bund kategorisch an ihnen festhalten will, sollte er sich hingegen noch einmal gut überlegen.

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