Jetzt hat die Armee mit Verteidigungsminister Ueli Maurer und Armeechef André Blattmann zwei Männer an der Spitze, die für eine Wende kämpfen. Erstmals, so scheint es, wird die Schweiz wieder mehr Geld für die Verteidigung ausgeben. Maurer hat das Parlament auf seiner Seite, das ihm 5 Milliarden Franken zubilligte. Allerdings stellt sich der Bundesrat noch quer. Deswegen griff diese Woche ausgerechnet SP-Nationalrätin Chantal Galladé, die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission, den Bundesrat an – sie sieht den Auftrag der Armee «ernsthaft gefährdet».

Die Bedrohungslage hat sich geändert, nicht zu unseren Gunsten, wie der Armeechef im Interview erläutert. Blattmann spricht unbequeme Wahrheiten aus. Schon im März 2010, lange bevor die Lage in den Euro-Krisenstaaten eskalierte, taxierte Blattmann fünf EU-Länder als «gefährdet»: Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich und Portugal. «Der Sonntag» berichtete damals über die «Risikokarte», und die Empörung bei selbst ernannten Sicherheitsexperten war daraufhin gross.

Am Freitag sorgte eine ähnliche Analyse des Armeechefs vor der belgisch-schweizerischen Handelskammer in Brüssel für einen Eklat. Blattmann sagte, die Schuldenkrise in Europa und die damit einhergehende hohe Arbeitslosigkeit seien die grösste Bedrohung für die Schweiz. Eine EU-Sprecherin wischte dies an einer Pressekonferenz als «Desaster-Szenarien» vom Tisch; offenbar äusserte EU-intern sogar EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso seinen Unmut über Blattmanns Aussagen.

Der Armeechef und der Verteidigungsminister ecken an, im In- und neuerdings auch im Ausland. Doch man muss ihnen zugutehalten: Sie nehmen ihre Aufgabe ernst. Es ist ihr Job, alle erdenklichen Szenarien durchzudenken und die Armee darauf vorzubereiten. Ansonsten wäre es ehrlicher, man würde die Armee gleich abschaffen.

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