Der Kommentar: Die Empörung der Konsumenten über das falsch gekennzeichnete Pferdefleisch ist berechtigt und gleichermassen heikel. Berechtigt ist die Empörung über das Kalkül der Firma Spangero, die absichtlich Pferdefleisch kaufte, als Rindfleisch weiterverkaufte und sich dadurch finanziell bereichert hat. Dieser Fall zeigt: Ein globalisierter Markt braucht mehr Qualitätskontrollen. Gefordert sind die Detailhändler genauso wie die Behörden. Beide können es sich nicht leisten, das Vertrauen ihrer Kunden und Bürger zu verlieren. Denn der Konsument hat immer eine Wahl. Er konsumiert quasi nach dem Prinzip der direkten Demokratie.

Der Konsument stimmt mit seinem Einkauf je nachdem für Billigprodukte, Tiefkühl-Fertigkost, frische Lebensmittel und Lebensmittel direkt vom Markt oder vom Bauer. Diese Wahlmöglichkeit macht ihn zu einem selbstbestimmten Konsumenten. Sie verpflichtet ihn aber auch, die Verantwortung für seine Wahl und damit die Konsequenzen mitzutragen.

Soll ein Produkt wie Fertiglasagne möglichst billig sein? Lieber ungesunde Fertigpizza oder selbst Gekochtes essen? Egal, wie der Konsument sich entscheidet, der Markt reagiert entsprechend diesen Bedürfnissen. Kaufen wir immer das Billigste und Ungesündeste, dann werden die Lebensmittel auf Kosten der Qualität immer billiger und ungesünder. Kaufen wir frische Produkte und kochen selber, setzen wir damit ein klares Zeichen. Insofern ist die Empörung über das Pferdefleisch heikel. Denn die Wahl fällt allzu häufig auf billige Fertigprodukte. Mit Kant gesprochen kommt dies einem selbst verschuldeten Rückfall in die Unmündigkeit gleich.

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