Der Kommentar: Die atemlose Atomausstiegs-Diskussion kam Verteidigungsminister Ueli Maurer sehr gelegen. CVP, BDP, Grünliberale, SP und Grüne schmiedeten ihre Ausstiegs-Allianz. Scharf beobachtet von den Medien.

Im Schatten dieser Diskussion arbeitete Maurer still und leise an einer anderen Allianz: der Armee-Aufrüster-Allianz. Nachdem ihn der Gesamtbundesrat mit seinen Armeeplänen zweimal bös hatte auflaufen lassen, änderte Maurer seine Strategie. Er jammerte. Und jammerte wieder. Darüber, dass die Armee selbst für elementarste Bedürfnisse kein Geld habe. Wie einst als SVP-Präsident wiederholte er seine Botschaft so lange, bis sie Allgemeingut war. Parallel veröffentlichte Maurer Mängellisten, liess interne Inspektionen durchführen, baute sein Departement um. Lange schien es, als ob er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe. FDP und CVP rügten Maurer in geharnischten Voten.

Maurer arbeitete aber an ausserparlamentarischen Allianzen. Als vielleicht wichtigste Verbündete entpuppten sich immer stärker die Kantone. Diese realisierten, dass Abbau-Übungen bei der Armee sie teuer zu stehen kommen würden. In unzähligen Auftritten klärte Maurer auch die Bevölkerung auf. Gleichzeitig begann die Zeit für ihn zu arbeiten. Arabische Revolution, Japan, Euro-Krise: Das Sicherheitsbedürfnis von Bevölkerung, Parlament und Kantonen wuchs. Immer deutlicher zeigte sich, dass die Europa-Risikokarte von Armeechef André Blattmann ihre Berechtigung hat.

Listig hat Maurer seine Allianz geschmiedet. Die Kantone sorgten dafür, dass der Ständerat schwenkt. Der Nationalrat wird folgen. Einer aber reibt sich verwundert die Augen: der Gesamtbundesrat. Maurer hat ihn ausgetrickst.