Einige vermuten bereits, dass diese Attentäter auch noch einen Sinn für das Makabre hatten, indem sie ihre Anschläge auf einen Freitag den 13. verlegten. Es ist wohl prosaischer so, dass sie den ersten Abend eines Wochenendes auswählten, weil dann besonders viele junge Pariserinnen und Pariser unterwegs sind, um sich auf den Bistro-Terrassen zu entspannen oder einen kulturellen Abend in einer Konzerthalle zu genehmigen.

Daher das vorherrschende Grundgefühl in Paris: Es kann jeden, es kann jede treffen. Das ist das Verheerende, das Unfassbare, erschreckender noch als die furchtbaren Anschläge auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion und den jüdischen Supermarkt von Anfang Jahr. Damals waren zwei spezielle Bevölkerungskategorien im Visier gewesen: Journalisten und Juden, beide auf ihre Art bedroht und auf der Hut, weil im Bewusstsein um Exponiertheit, beide geschützt durch Polizeiwachen.

Jetzt hat es Menschen getroffen, die sich nicht besonders betroffen fühlten, beliebige Normalbürger, die mit dem Nahen Osten oder Mohammed-Karikaturen nichts am Hut haben und nichts anders wollen, als ein Glas im trendigen Stadtviertel der 10. und 11. Bezirke zu trinken. Jetzt wird nichts mehr sein wie vorher: Unbescholtene Pariser Bürger werden sich insgeheim überlegen, ob sie ab sofort vielleicht doch bewaffnet vor die Haustür treten sollen, um sich notfalls verteidigen zu können, um nicht einfach niedergeschossen zu werden. Etwas, was bisher in Frankreich undenkbar gewesen war.

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