Der personifizierte gute gegen die Abzocker heisst Thomas Minder. Er ist für viele Menschen im Land eine Lichtgestalt und der ungekrönte König der Politverdrossenen. Lange belächelt und mit spöttischen Kommentaren wie «rührig» und «naiv» bedacht, sieht sich der Kleinunternehmer plötzlich ganz gross von allen Seiten umworben. Dabei wird er von Christoph Blocher genauso vor den Partei-Karren gespannt wie von den Linken. Denn die One-Man-Show aus Schaffhausen hat einen Nerv getroffen.

So wird jetzt aus dem Bundeshaus ein Tollhaus. Ein eiligst gezimmerter direkter Gegenvorschlag nimmt Minder den Wind aus den Segeln. Seine Allianz mit Christoph Blocher hat ihm am Schluss geschadet. Es ist ein Polit-Krimi, der die SP und die CVP als vorläufige Sieger sieht. Paralysiert präsentiert sich die FDP, die mehr mit internen Grabenkämpfen auffällt, in denen Doris Fiala ausgerechnet drei Unternehmer aus der Partei bugsieren will.

Mittendrin in diesem Politkrimi: Thomas Minder, der fast an der Bürde seiner selbst auferlegten Aufgabe zerbricht. Der Mann, der die Hoffnung auf ein Ende der Gier verkörpert, kommt an seine Grenzen. Er ist zermürbt durch jene Politiker, welche die Wirkung der unverschämt hohen Boni lange genug mit Worten statt Taten bekämpft haben. Wie desillusioniert Minder ist, zeigt seine Attacke gegen Politiker, die «schlimmer als Mafiosi» seien. Das ist übers Ziel geschossen, keine Frage. Trotzdem braucht es Menschen wie ihn, um Veränderungen herbeizuführen. Dass Minder jetzt so reagiert, haben sich die Politiker selbst zuzuschreiben.