«The Guardian» gehört zu den besten Tageszeitungen der Welt. Gelobt und gepriesen, weil Chefredaktor Alan Rusbridger seit 2006 radikal auf Online-Journalismus setzt. Alles zuerst gratis im Netz, dann gedruckt in der Zeitung. Interaktivität, Dialog mit den Lesern. Datenjournalismus. Die «Guardian»-Website ist damit zur sechstgrössten Zeitungs-Website der Welt geworden – mit monatlich 26 Millionen Nutzern. So wie «The Guardian», so muss heute Qualitätsjournalismus sein, sagen die Gläubigen.

Diese Woche gab «The Guardian» einen Verlust von 56,3 Millionen Euro bekannt. Im letzten Jahr betrug der Verlust 39,6 Millionen Euro. Der Verlag zieht die Notbremse: 100 der 650 Journalisten sollen entlassen werden. Die Reaktion der Gläubigen – eher ungläubig. Internet-Apologet Jeff Jarvis, Autor des Buches «What would Google do?», blieb stumm. «Lieber so scheitern, als es gar nicht zu versuchen», twitterte David Bauer, der Jeff Jarvis der Schweiz.

Auch Google hat letzte Woche Zahlen präsentiert. Google hat den Werbeumsatz in Grossbritannien um 42 Prozent gesteigert. Im zweiten Quartal 2012 erzielte Google 985,4 Millionen Euro Werbeeinnahmen. Google ist die Nummer eins im Werbemarkt. Der Online-Umsatz von «The Guardian»: 59 Millionen (plus 16 Prozent).

Das Internet rettet den Journalismus? Google ist vielleicht nicht böse, aber Atheist.

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