Joe Ackermann, den Chef der Deutschen Bank. Peter Brabeck, den Präsidenten von Nestlé. Natürlich die Stammgäste Bill Clinton und Tony Blair. Innert weniger Minuten kriegt Schwab fast jeden Staatschef ans Telefon.

Dieser Klaus Schwab macht nun im Interview be-merkenswerte Aussagen. Er kritisiert die «exzessiven Boni» vieler Manager und sagt: «Es ist schwierig geworden, die Marktwirtschaft in der Bevölkerung zu verteidigen, weil ihre Glaubwürdigkeit gelitten hat. Glaubwürdigkeit ist immer vom Verhalten Einzelner abhängig.»

Und Schwab folgert: «Deshalb braucht es Massstäbe. Vernünftig scheint mir ein Massstab 1:20, das heisst, der oberste Chef verdient höchstens 20-mal so viel wie der Angestellte mit dem tiefsten Lohn.»

Ein Verhältnis von 1:20 ist in kaum einem grossen Schweizer Unternehmen erfüllt. Am krassesten ist das Verhältnis bei Novartis mit 1:720. Bei ABB ist es 1:427, bei Lindt & Sprüngli
1:204, bei Clariant 1:46, bei Implenia 1:37. Einzig die Post liegt mit 1:19 innerhalb des Massstabes von Klaus Schwab.

Ausgerechnet einer aus dem innersten Zirkel redet seinen Leuten ins Gewissen. Schwab fordert einen Massstab, um der Masslosigkeit Einhalt zu gebieten.

Das braucht Mut – denn damit verärgert er viele seiner Freunde, die die Manager-Millionen verteidigen, als wäre nichts geschehen. Wie Kaspar Villiger diese Woche an der GV der UBS.

In den vergangenen Jahren ging ein Grundwert der sozialen Marktwirtschaft verloren: die Lohngerechtigkeit. Sie muss unten gelten, sie muss oben gelten, und sie muss im Verhältnis oben/unten gelten. Eigentlich ganz einfach, aber fast hätten wir es vergessen.

Die tief greifende Krise bietet die Chance, diesen Grundwert neu zu beleben. Oben kassieren, unten kürzen – so gehts nicht weiter. Dass dies einer der Mächtigen sagt, ist ein Zeichen, das Hoffnung macht.