Es ist der Albtraum schlechthin. In der Nacht auf Donnerstag geschah dies im Schlafzimmer der 39-jährigen S. in Bergdietikon, an der Kantonsgrenze Aargau/Zürich. Nur mit viel Glück hat die Frau überlebt. Das zweijährige Söhnchen lag neben der Mutter und bekam alles mit.

Die «Schlafzimmerräuber» kamen einem in den Sinn, Gewalttäter, die Mitte der Neunzigerjahre die Schweiz in Angst und Schrecken versetzten. Dann die unglaubliche Wende im Fall Bergdietikon, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Betroffenheit auslöste, wohl aber auch Erleichterung: Es war kein unbekannter Mann, der schon in der nächsten Nacht sein nächstes Opfer finden könnte. Sondern der Ehegatte, der angeblich im Ausland weilte.

Der eigene Mann als Beinahe- Mörder – alles minutiös vorbereitet, die Lügengeschichte mit der Auslandreise, das Vortäuschen eines Einbruchs, fremde Turnschuhe vor der Tür: Es ist nicht zu fassen. S. sei ein sympathischer Mann, hiess es aus seinem Umfeld schnell, ein liebevoller Vater, engagiert in einem Vespa-Club, zuverlässig an seinem Arbeitsplatz. Nein, ihm hätte man so etwas nie, nie zugetraut!

Das heisst es oft bei Tätern. Nachbarn und Bekannte bezeichnen sie gern als «unauffällig», «freundlich», «normal». Dani H., der geständige Mörder des 16-jährigen Aupair-Mädchens Lucie T., wurde als «charmant» und «nett» beschrieben. Doch hinter der Fassade tun sich bei Gewalttätern meist Abgründe auf. Im Fall Bergdietikon war die Ehe nicht intakt, wie es nach aussen schien: Der Mann trug nicht nur bei seinem nächtlichen Überfall auf die eigene Frau eine Maske.

Dramen wie in Bergdietikon geschehen nicht einfach so aus heiterem Himmel. Fast immer gibt es Anzeichen. Beängstigend ist, dass wir sie oft nicht erkennen – oder erst dann, wenn es zu spät ist.