Vielmehr werden die meisten von ihnen, weit weg vom Ring, das Spektakel auf Grossbildschirmen verfolgen und sich dort wiederfinden: Als Kulisse für die Fernsehübertragung. RTL hat den Millionenvertrag, um ein Millionenpublikum zwischen zahlreichen Werbeblöcken am Samstagabend vor einem vorzeitigen Einschlummern auf dem Sofa zu bewahren. In rund 150 Ländern, so lautet die Ankündigung, werde das Fernsehsignal verbreitet.

Die Freunde des Boxsports können sich auf den Kampf freuen, der bereits zum «grössten Sport- und Showspektakel des Jahres auf Schweizer Boden» erklärt wird. Allerdings nur, sofern sich der Amerikaner Thompson nicht als das «Fallobst» herausstellt, das den Klitschko-Brüdern immer wieder als gut bezahlte Sparringpartner vorgesetzt wird, sondern eben als: «Der echte Härtetest».

Bei mir stellt sich allerdings eine völlig andere Vorfreude ein: Wie fulminant und schamlos wird der Ringier-Konzern wohl all seine publizistischen Möglichkeiten und Marketing-Instrumente einsetzen, um den Kampf medial zu dem einzigartigen Ereignis empor zu stilisieren? Dieser Fight wird zum «echten Härtetest» für den neu aufgestellten, voll integrierten und weitgehend publizistikfreien Promotionskonzern Ringier.

Die Ausgangslage ist verheissungsvoll: Die Ringier-Beteiligung Infront-Ringier ist zusammen mit dem Management der Klitschko-Brüder Veranstalter. Als offizielle Medienpartner figurieren mit dem «Blick» und den drei hauseigenen Radiostationen von «NRJ» zwei Ringier-Produkte. Der Ticketverkauf läuft über die Ringier-Tochter Ticketcorner.

Schön, dass der «Blick» schon vor zwei Wochen «exklusiv» über den Kampf berichten konnte. Gut auch, dass Wladimir Klitschko bereits in der Jubiläumsausgabe der «Schweizer Illustrierten» im Porträt erschien. Wir freuen uns auf viele weitere «Exklusiv»-Meldungen.

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