Der Kommentar: Rums – das hat gesessen! Alexis Tsipras will die Griechen darüber abstimmen lassen, ob sie die jüngsten ultimativen Forderungen ihrer Gläubiger EU, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds annehmen wollen oder nicht.

Tsipras, nach dem Wahltriumph vom 25. Januar an die Macht gekommen, muss spätestens am vorigen Donnerstag der Kragen geplatzt sein. Dann präsentierten Griechenlands Gläubiger dem umtriebigen Hellenen ein neuerliches, schmerzliches Spar- und Reformpaket. Nach dem Motto Friss oder stirb. Tsipras muss dies als eine Demütigung empfunden haben. Denn seiner Ansicht nach war er den omnipotenten Geldgebern bereits sehr weit entgegengekommen.

Daher will er das griechische Volk am 5. Juli bewusst nicht fragen lassen, ob es für oder gegen den Euro ist. Der bekennende Euro-Fan Tsipras setzt sich mit dem Referendum an die Spitze jener EuroBefürworter in Griechenland, die endlich ein Ende des masslosen Sparkurses in Athen, ein Ende der «Kaputtsparerei» wollen. Ein simples Weiter so, wie in den letzten fünf Jahren, kann und darf es im krisengebeutelten Griechenland einfach nicht geben, so ihre Lesart.

Kein Zweifel: Tsipras geht aufs Ganze. Er riskiert viel, bewusst auch den Verbleib in der Eurozone. Im Innersten hofft er aber, dass sich endlich auch die Gläubiger vom Fleck bewegen. Der Ball scheint mit Alexis Tsipras’ Flucht nach vorn in Athen zu liegen. Ein Irrtum. In Wahrheit liegt er in Brüssel, Berlin, Frankfurt am Main und Washington.

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