Erste Risse in der Beziehung zwischen Banken und Politik zeigten sich nach dem Ausbruch der Finanzkrise. Die Grossbank UBS musste über 60 Milliarden Dollar wegen frivoler Anlagegeschäfte in den USA abschreiben. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schoss die Eidgenossenschaft Eigenkapital ein, die Nationalbank übernahm die toxischen Hypotheken-Papiere, um die Bank vor dem Kollaps zu retten.

Noch tiefere Risse wurden 2009 sichtbar. Damals kam aus, dass UBS-Angestellte in die USA reisten, um dort Kunden beim Steuerbetrug zu helfen. Die US-Justiz deckte kriminelle Machenschaften biederer Banker auf, die Diamanten in Zahnpastatuben stopften und ihre Laptops mit James-Bond-Software ausstatteten, um ihre Identität zu verschleiern. Was für ein Bild vermittelten diese Banker? Mit der Faust im Sack mussten die Politiker die Bank erneut retten.

Bald darauf machte sich einmal mehr Ernüchterung breit: Otto Bruderer, der Geschäftspartner des gescheiterten Bankiers Konrad Hummler, gab vor einem Gericht in den USA zu Protokoll, dass das Steuerhinterziehungs-Geschäft in der Schweiz gängige Praxis war. Was er meinte: Nicht nur er tat es, nicht nur die UBS, sondern der gesamte Finanzplatz, die Credit Suisse, Julius Bär und viele andere Banken, ja selbst Kantonalbanken, die jetzt im Fadenkreuz der Amerikaner stehen.

Die Banker liessen in den letzten Jahren keine Zweifel daran, dass sie zwar gerne grosse Risiken eingehen, diese aber nicht beherrschen und sich in Lagen manövrieren, aus der sie sich nicht mehr selbst befreien können. Zweimal griff die Politik rettend ein. Jetzt hat sie genug. Diese Woche sagte sie: Njet! löst die Probleme selbst. Dieses kategorische Nein ist ein mutiger Schritt für ein Land, das mit seinen Banken reich wurde. In Zukunft werden die Banken weniger dominant sein. Das muss nicht zum Schlechteren der Schweiz sein.

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