Er wäre der richtige Mann, um einen tiefen Einblick in die katholische Kirche zu geben. Doch Vogel ist ein Mann mit Prinzipien und nicht der Typ, der seine ehemalige Arbeitgeberin in der Öffentlichkeit allzu hart kritisiert. Er ist weit weg von der katholischen Kirche – und sie von ihm.

Vogel wählt seine Worte mir gegenüber mit Bedacht. Er will Priester, die Übergriffe begangen haben, zur Verantwortung gezogen sehen, warnt aber gleichzeitig davor, «die Kirche zum alleinigen Sündenbock zu machen». Nicht die Kirche allein stecke in einer Krise, «sondern die Gesellschaft mit ihren Idealen und ihren Werten». Der Kirche gibt er mit auf den Weg, «Kirche zu sein, ohne eine Sekte zu werden». Dafür engagieren sich jetzt auch kluge Köpfe an der Kirchenbasis. Sie gehen mutig voran, während die Schweizer Bischofskonferenz noch zaudert. Denn die Gläubigen an der Basis wissen, wie verheerend das Bild der Kirche leidet.

Wir Medienschaffende prägen letztlich das Bild, das wir uns von Institutionen, Menschen und Überzeugungen machen, auch von der Kirche und vom Glauben. Darum gibt es den Mediensonntag, den die Kirche im Mai dazu nutzt, mit einem Slogan zu werben, der zu reden geben wird: «Mehr Good News». Es wäre ein Leichtes, diesen Slogan als zynisch zu werten. Doch das würde dem Anliegen nicht gerecht, wie mir in Gesprächen mit den Verantwortlichen versichert wurde. Die Kampagne zeugt von einer Haltung, nicht von den schlechten Nachrichten abzulenken, sondern diese zu anerkennen, aber dabei das Gute nicht zu vergessen.

Die Offensive der Schweizer
Kirchenleute hat eine Chance verdient, bevor man sie hämisch als Kosmetik abtut. Es ist ein ehrlicher Versuch, über dessen Erfolg jene entscheiden, die in die Kirche gehen – und jene, die es nicht mehr tun. Das würde auch Hansjörg Vogel so sehen, der vom Bischof zum Ehemann und Vater wurde.