Der Kommentar: Er sei ein «Kämpfer, nicht zu bändigen», er spiele zuweilen «rüde», es fehle ihm an «Teamgeist», er sei ein «Aussenseiter, der es allen zeigen will». Die Attribute stammen aus Zeitungsberichten über den italienischen Fussballer Mario Balotelli, der zum Superstar dieser EM geworden ist. Es sind Attribute, die genauso gut in einem Porträt über Thomas Minder stehen könnten, den parteilosen Ständerat aus Schaffhausen, der mit seiner Abzocker-Initiative seit fünf Jahren die Schweizer Politik auf Trab hält und SVP, FDP, CVP und die Wirtschaftsverbände so alt aussehen lässt wie Balotelli die deutsche Nationalmannschaft.

Nicht einmal SVP-Übervater Christoph Blocher, in dessen Fraktion Minder sitzt und mit dem er in der Abzocker-Frage anfänglich paktierte, vermag ihn zu bändigen. Gegen Blochers Willen bringt er die Initiative vors Volk – und erlaubt sich nun gar, den SVP-Tribun, der gern über die «classe politique» herzieht, ebendieser Klasse, dem «Establishment», zuzuordnen. Weil Blocher auf derselben Linie liegt wie die von ihm verschmähten Managerfreunde aus FDP und Economiesuisse.

Einer gegen alle: Blochers Prinzip lebt keiner besser vor als Thomas Minder. Er legt sich mit allen an, komplett unabhängig, oft rücksichtslos und manchmal rüde – oder «unflätig», wie die «NZZ» kommentierte. Wenn nicht alles täuscht, gelingt ihm dasselbe wie Anita Chaaban mit der Verwahrungsinitiative: Ein Solo-Sieg gegen das Establishment aus Politik, Wirtschaft und Medien. Nur wäre dieser Sieg noch bemerkenswerter: Denn jetzt geht es um die Wirtschaft, und die wird mit Millionen gegen den Balotelli der Schweizer Politik auffahren. Aber wohl ebenfalls im Verhältnis 1:2 verlieren.

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