Der Kommentar: Die Aargauer SVP hat mehr mit Journalisten gemeinsam, als ihr lieb ist: Auch ihre Exponenten sind primär in der holzverarbeitenden Industrie tätig. Augenfällig wurde das diese Woche, als auskam, dass SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler bei einem deutschen Hersteller ein Holzhaus kaufte – weil keine Schweizer Firma Häuser im «New England»-Stil baut. Seither knarzts im Gebälk der Volkspartei, die sich nicht zufällig oft in Holziken trifft.

«Sehr enttäuschend», findet Sylvia Flückiger-Bäni, SVP-Nationalrätin und Vorstandsmitglied der Holzindustrie, den Kaufentscheid ihres Parteikollegen. Flückiger-Bäni, die ihre Seidenfoulards vermutlich ausschliesslich von einheimischen Seidenraupen spinnen lässt, hätte «natürlich erwartet, dass er einen Schweizer Holzbauunternehmer beauftragt». Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, wäre als Holzbauunternehmer einer dieser möglichen Auftragnehmer gewesen, weshalb er Alex Hürzelers Hauskauf logischerweise «unglücklich» findet. Und auch SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, der die Lastwagenplanen für seinen Fuhrpark selbstredend aus «Freitag»-Taschen des gleichnamigen Zürcher Traditionsunternehmens zusammennähen lässt, bekundet «grosse Mühe» mit Hürzeler.

Ernsthaft, liebe SVP-Politiker: Man kann nicht für Freiheit und Eigenverantwortung einstehen und gleichzeitig mit dem Holzhammer auf Parteikollegen losgehen, die in aller Freiheit individuelle Kaufentscheide fällen. Apropos fällen: 37 Prozent des Holzes, das die Schweizer Holzbauindustrie verwendet, kommt aus Österreich, 34 Prozent aus Deutschland. Aus Kostengründen, natürlich. Sind wenigstens die Bretter vor dem Kopf aus heimischem Holz?

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