Der Kommentar: Meine Mutter und Schwiegermutter sind beide fast neunzig Jahre alt. Beide leben in ihren eigenen vier Wänden und kommen noch ohne Hilfe aus. Würde ich die beiden alten Damen bei einer Demenz-Erkrankung nach Thailand schicken, wo sie unter Palmen gut betreut ihre noch verbleibende Zeit auf Erden verbringen könnten?

Nein. Sie sind seit Jahrzehnten in ihrer Umgebung verwurzelt. Hier sind sie zu Hause, hier leben ihre Kinder und Enkelkinder. Hier sind ihre Erinnerungen, hier sind ihre Gefühle. Ich würde es deshalb als herzlos und als Abschiebung empfinden, sie nach Thailand zu schicken. In ein Land, in dem sie noch nie waren und das ihnen fremd ist. Da hilft auch der Einwand nicht, dass sie sich so oder so an nichts mehr erinnern könnten und nicht merken würden, wo sie sind. Wie sicher kann man sich dessen sein?

Würden aber meine Frau und ich nach Thailand in das Demenz-Resort gehen, wenn jemand von uns beiden an Alzheimer erkrankt? Es wäre zumindest eine überlegenswerte Option. Wir beide sind eine andere Generation, die viel herumgereist ist, die andere Kulturen und Länder kennen gelernt hat. Wir würden uns unter Palmen nicht fremd und entwurzelt vorkommen.

Eine solche Entscheidung hätte aber auch mit Liebe zu tun. Im Voraus zu planen, wenn man den Geist noch nicht verloren hat, dass man bei einer Demenzerkrankung die verbleibende Zeit zusammen verbringen will. In einer Atmosphäre, die den gesunden Partner nicht überfordert. In Thailand mit seiner Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist dies möglich. Wer weiss, dass sein Partner gut versorgt ist, kann dann auch mal unter Palmen die Seele baumeln lassen – immerhin.

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