Dem Handynetz fehlt Wettbewerb

Die Nachricht: Die Schweiz gerät beim schnellen Mobilfunkstandard 4G ins Hintertreffen.


Der Kommentar:Zwischen dem Selbstbild der Schweiz als führender Technologie-Nation und der Realität klafft eine Lücke. Das Land mit einer rekordverdächtig hohen iPhone-Dichte kann bei der Einführung des schnellen Datenfunks für das Handynetz, genannt 4G, nicht mit Staaten wie Montenegro oder Usbekistan mithalten – trotz explodierender Datenmengen und zunehmend mehr Stockungen und Staus im mobilen Datenverkehr.

Dieses Resultat ist nicht erstaunlich und die Folge von fehlendem Wettbewerb unter den drei Handyanbietern. So kämpfen im Schweizer Markt zwei von Private-Equity-Gesellschaften gehaltene Unternehmen (Sunrise und Orange) gegen die ehemalige Monopolistin Swisscom. Da die Beteiligungsfirmen der beiden Herausforderer einen kürzeren Anlagehorizont haben, fehlt ihnen der Wille, im grossen Stil in die Technologie der Zukunft zu investieren. Bereits beim Breitbandinternet ADSL brauchte es Cablecom und andere Kabelnetzbetreiber, die den Markt bearbeiten wollten und so einen Innovationsschub auslösten.

Beim Handynetz der vierten Generation (4G) hoffte der Regulator ebenfalls auf einen rettenden Vierten, der bei der Auktion der entsprechenden Frequenzen mitbieten würde. Im Februar zeigte sich jedoch, dass keine deutsche Telekom den Schweizer Markt erobern will. Gründe dafür sind etwa die geringe Grösse des Schweizer Marktes sowie die wesentlich strengeren Strahlenschutzgrenzwerte für Handyantennen. Die Folge: Schweizer Kunden zahlen die Zeche für den fehlenden Wettbewerb nicht nur in Form von überhöhten Preisen, sondern auch mit fehlender Technologie-Erneuerung. Bei der beabsichtigten Revision des Fernmeldegesetzes muss dies zwingend berücksichtigt werden.

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