Der Kommentar: Die «Likes» und positiven Kommentare gingen flugs in die Millionen. Mit seinen offenen Worten über drei Fehlgeburten seiner Frau und über Gefühle der Einsamkeit hat Mark Zuckerberg die Sympathien auf seiner Seite. Er hat ja auch recht. Fehlgeburten sind relativ häufig und etwas biologisch Normales. Sie gehören enttabuisiert, damit die Betroffenen von ihren Schuldgefühlen loskommen. Der Verlust eines werdenden Kindes ist Anlass zur Trauer, und ein Trauerprozess ist schweigend und isoliert schwieriger zu bewältigen.

Der medienwirksame Enttabuisierungsversuch kommt nicht zufällig aus dem Silicon Valley, das zum Taktgeber nicht nur technischer, sondern auch gesellschaftlicher Entwicklungen wird. Schon die Debatte um Social Freezing (Einfrieren von Eizellen für spätere Mutterschaften) wurde hier lanciert, und Apple-Chef Tim Cook betonte, er sei stolz auf seine Homosexualität.

Zur Erfolgslogik des Silicon Valley passt allerdings auch, dass Zuckerberg die schwere Botschaft in einer guten verpackt. Der Facebook-Gründer spricht aus der sicheren Warte des Happy End: Die Zeit der Enttäuschungen ist jetzt Vergangenheit, ein Kind ist unterwegs. Zuckerberg ist wohlkalkuliert offen, denn er animiert die Facebook-Community unverhohlen dazu, ebenfalls derart Intimes auf Facebook preiszugeben. Seine Botschaft unterstreicht das gnadenlose Diktat der Erfolgsgesellschaft, das auch vor dem Privatleben nicht Halt macht: Deine Geschichte darf dunkle Seiten haben, aber sie muss gut ausgehen. Denn am Ende muss man ja den «Like»-Button drücken können.

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