Der Kommentar: Stellen Sie sich vor, Sie stehen an der Kasse und der Kunde vor Ihnen bezahlt für die gleiche Flasche Wein 30 Prozent weniger als Sie. Klingt unfair, ist aber wohl bald Realität. Täglich liefern wir den Händlern eine digitale Datenflut zu unserem Einkaufsverhalten. Sei es beim Onlineshopping oder im Geschäft mit der Kundenkarte.

Logisch, wollen Händler wie Amazon und jetzt auch Coop diese Big Data ausmünzen. Das ist eine legitime Strategie eines profitorientierten Unternehmens. Doch es bleibt ein ungutes Gefühl. Niemand lässt sich gern durchschauen. Doch das ist beim gläsernen Konsumenten der Fall. Zwar erhalten schon heute gewisse Gruppen wie Studenten oder Senioren mehr Rabatte. Doch mit den automatisch personalisierten Preisen gehen die Händler einen grossen Schritt weiter.

Fragt sich, wie weit sie noch gehen werden. Erhalten Männer in ärmeren Gegenden nur wenig Rabatt für ihre günstigen Prix-Garantie-Einkäufe, reiche Frauen in Luxusvierteln dafür 30 Prozent auf ihre Rotwein-Einkäufe? Solche Szenarien wird es nie geben, sagen die Händler. Beispiele von US-Konzernen wie Amazon und Orbitz zeigen, dass wir nicht weit davon entfernt sind.

Laut Coop werden die personalisierten Coupons besser als die allgemeinen eingelöst. Das System rentiert also, weshalb weitere Händler über kurz oder lang auf den Zug aufspringen werden. Umso mehr sind deshalb die Daten- und Konsumentenschützer gefordert. Denn für den einfachen Kunden gehen mit der neusten Big-Data-Offensive Preistransparenz und -vergleichbarkeit verloren – ein Nebeneffekt, der den Händlern gelegen kommt.

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