2010 wurde in Europa zum Jahr der Armut erklärt. Die Hilfsorganisation Caritas hat deshalb eine Kampagne gestartet mit dem Ziel, die Armut in der Schweiz innerhalb eines Jahrzehnts zu halbieren. Gemäss Caritas leben hierzulande 700 000 bis 900 000 Menschen unter der Armutsgrenze.

Wer hat recht: Thomas Held, der die Armut relativiert?
Oder die Caritas, für die jeder zehnte Einwohner als arm gilt? Darüber lässt sich lange streiten – die Diskussionen enden bei der Frage, wie Armut zu definieren ist. Nur Zyniker können indes behaupten, es gebe in der reichen Schweiz keine Armen.

2010 ist nicht nur das Jahr der Armut – es könnte auch zum Jahr des Sozialabbaus werden: Rentenkürzungen bei den Pensionskassen, weniger Arbeitslosengelder für junge Erwerbslose und Sparmassnahmen bei der Invalidenversicherung sind geplant. Ist das unsozial, weil es die Schwächsten trifft? Oder eben gerade sozial, weil die Sozialversicherungen dadurch langfristig sicherer bleiben? Diese Frage wird dieses Jahr eine der meistdiskutierten und wichtigsten sein.

Klar ist: Das soziale Klima ist auch hierzulande kälter geworden. Klar ist aber ebenso: Der grosse Kahlschlag bei den Sozialwerken wird nicht kommen, denn dafür gibt es in der Schweiz keine Volksmehrheit. Und das ist gut so.

Denn die Schweiz ist daran, die schlimmste Rezession seit 80 Jahren besser zu meistern als fast alle anderen Länder. Nirgendwo sonst ist die Staatsverschuldung so wenig angestiegen wie bei uns. Welches Land, wenn nicht das unsrige, kann sich weiterhin tragfähige Sozialversicherungen leisten?

Wie auch immer man Armut definiert: Das Ziel muss sein, dass es davon immer weniger gibt. Auch und gerade in der Schweiz.