Die Menschen messen ihr Wohlergehen immer an jenem der anderen Menschen – obschon das irrational ist. Dieser Mechanismus spielt auch zwischen Ländern. Darum war noch selten so offensichtlich, wie gut die Schweiz dasteht – und wie vergleichsweise klein unsere innenpolitischen Probleme sind. Unser Parlament hat diese Woche über die Öffnungszeiten der Tankstellenshops gestritten. Und die TV-«Arena» widmete sich einer Broschüre des Konsumentenschutzes, die Tipps zum Einkaufen im Ausland gibt. Glücklich ein Land, das solche Sorgen hat.

Das Bild von der «Insel der Glückseligen» ist ganz richtig. Schauen Sie sich etwa unsere Grafik zur Jugendarbeitslosigkeit an (Seite 14): Kein Land der Welt schneidet so gut ab wie die Schweiz. Doch dieses Bild ist statisch. Wird es auch in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren noch stimmen? Wenn wir daran zweifeln, dann weniger unseretwegen – sondern darum, weil wir wissen, dass die Krisen, die um die Schweiz herum brodeln, nicht spurlos an uns vorbeigehen werden.

Uns kann nicht egal sein, ob Frankreich mit seinem neuen oder alten Präsidenten noch tiefer im Schuldensumpf versinkt. Ob in Griechenland bei den heutigen Wahlen extremistische Parteien gewinnen. Ob die USA die Steueroasen dieser Welt trockenlegen werden – mit Ausnahme ihrer eigenen natürlich.

Es sind nicht linke Politiker, die vor sozialen Unruhen in Europa warnen – mit Folgen auch für uns. Nein, es sind die Chefökonomen von UBS und CS. Darum sollten wir uns nicht nur mit Tankstellen und Einkaufsbroschüren befassen. Das Glück der Schweiz – es ist zerbrechlich.

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