Die WM-Euphorie wird kommen – darauf wette ich. Wir können uns auf einen grandiosen Monat freuen. 32 Teams! 64 Spiele! Südafrika! Sepp Blatter mag gerne Fussballgott spielen, aber es ist ihm hoch anzurechnen, dass die WM das erste Mal auf dem afrikanischen Kontinent durchgeführt wird.

Die WM ist die Zeit, in der man Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen von einer anderen Seite kennen lernt. Selbst die eigene Partnerin wird sich vor dem Bildschirm zu Bemerkungen hinreissen lassen wie: «Spielt der sonst nicht bei . . .?»

Dann werde ich als bekennender Schönwetterfan mein Heiligtum – das Panini-Album – zücken und fachmännisch Auskunft geben können: «Liebste, der spielt sonst bei . . .» Die akribische Pflege des überteuerten Bildli-Wahns, für den man seit Wochen belächelt wird, hat doch noch einen Sinn.

Fussballer sollten auf dem Rasen brillieren und sich nicht aufs politische Parkett wagen. Das hat Nati-Captain Alex Frei bewiesen, als er sich bei Ueli Maurer über zu hohe Steuern mokierte. Maurer habe Finanzminister Hans-Rudolf Merz mitzuteilen, er solle «einmal schauen, dass wir weniger Steuern bezahlen müssen».

Mit «wir» meint er vor allem sich selbst, wie Frei dem «Blick» sagte: «Die Schere ist zu gross.» Wer mehr verdiene, solle weniger Steuern zahlen. Was Frei übrigens auch tut, seit er von Borussia Dortmund zurück zu Basel ging. In Deutschland zahlte er von seinem Lohn von umgerechnet 3,5 Millionen Franken fast die Hälfte an den Staat.

Alex Frei leidet auf hohem Niveau und verkennt, dass sein Lohn auch vom Büezer im Stadion bezahlt wird. Es war eine falsche Bemerkung zur falschen Zeit am falschen Ort. Wenn uns Frei dafür in die Achtelfinals schiesst, sei ihm dieser Fauxpas gerne verziehen. Ob unsere Nati-Stars ihren militärischen Pflichten nachkommen oder nicht, sei ihnen ebenfalls überlassen.

Dass sich der grüne Zürcher Neo-Stadtrat Daniel Leupi mit der Verordnung, WM-Spiele dürften im Freien nur ohne Ton geschaut werden, zum allgemeinen Gespött machte, spielt in 12 Tagen auch keine Rolle mehr. Kurzum: Ich bin bereit für den Anpfiff zum grossen Volksfest.