Der Kommentar: Es gehört zum guten Ton der Politiker, sich über «Abzocker» zu empören. Denn es ist populär, über die Manager zu schimpfen, die schamlos zulangen – egal obs der Firma gut oder schlecht geht. Doch wenn dieselben Politiker die Möglichkeit haben, den Managern den Griff in den Boni-Topf zu erschweren, tun sie es nicht.

Seit nicht weniger als drei Jahren diskutieren die Parteien von links bis rechts über die im Februar 2008 eingereichte «Volksinitiative gegen die Abzockerei» des Schaffhauser Unternehmers Thomas Minder. Seit drei Jahren suchen sie Alternativen zum Volksbegehren, schmieden Allianzen und brechen sie wieder.

Seit drei Jahren sprechen sie über die Aktienrechtsrevisionen, über Boni-Steuern, über direkte und indirekte Gegenentwürfe – mit ernüchterndem Resultat: Noch immer liegt kein mehrheitsfähiger Kompromissvorschlag auf dem Tisch. Mit ihrem Nein zum indirekten Gegenvorschlag hat die nationalrätliche Rechtskommission eine weitere Zusatzrunde in dieser nicht enden wollenden Diskussion eingeläutet.

Gut möglich, dass es nicht die letzte ist. Denn wenn diese Vorlage versenkt wird, holen die Politiker den direkten Gegenvorschlag wieder aus der Schublade – und verschieben womöglich die Abstimmung über die Abzocker-Initiative um ein weiteres Jahr.

Jetzt schieben sich die Parteien gegenseitig die Schuld für diese Misere zu: Die CVP kritisiert die Linke, weil sie sich der Stimme enthalten hat. Die SP und die Grünen wiederum bezichtigen SVP und CVP taktischer Manöver und werfen ihnen vor, letztlich gar keine Lösung zu wollen. Doch das Lamentieren hilft nicht weiter:

Die Durchschnittsverdiener wollen, dass jetzt endlich etwas gegen die Abzockerei unternommen wird. Auch wenn das Thema derzeit etwas aus den Schlagzeilen geraten ist: Spätestens in der bald anlaufenden Generalversammlungs-Saison kommt es wieder aufs Tapet. Wenn die Politiker meinen, sie könnten das Thema einfach aussitzen, täuschen sie sich. Mit jeder Extrarunde steigt der Ärger der Bürger – und damit der Wille, die sehr populäre Abzocker-Initiative zu unterstützen. Das Volk lässt sich nicht länger für dumm verkaufen.