Der Kommentar: Als Weckruf hat US-Präsident Barack Obama die militärischen Erfolge der von al-Qaida inspirierten Gotteskrieger im Irak bezeichnet. Fragt sich, für wen. Denn der Erfolg des Islamischen Staates im Irak und Syrien (Isis) hat viele Väter, jeder mit ganz eigenen Motiven und Interessen. In Syrien war Isis lange ein Werkzeug gegen das Assad-Regime, unterstützt vom Westen, der Türkei und arabischen Staaten.

Im Irak hat Premier Maliki mit seiner Sekten-Politik den Nährboden für ihre Rebellion geschaffen. Als Gegengewicht zum iranischen Einfluss im Irak war Isis von den arabischen Staaten nicht ungern gesehen. Nach dem Motto: Ein kleiner Teufel kann auch nützlich sein.

Isis hat diese günstigen Faktoren geschickt genutzt und droht jetzt zu einem eigenständigen regionalen Faktor zu werden; mit äusserster Brutalität, reichlich Geld, modernsten Waffen und einer religiös motivierten Ideologie. Sie hat die staatlichen Grenzen gesprengt und den Krieg in Syrien und den Krisenherd Irak endgültig zu einem grossen Pulverfass verschmolzen. Die Gefahr, dass die Gewalt auf weitere Staaten der Region überschwappt, ist bereits abzusehen.

Die Guerilla-Offensive von Isis zeigt erschreckend deutlich, dass die Bedrohung, die von al-Qaida inspirierten Gruppen ausgeht, unverändert gross ist. In der Krisenregion ist die Lage besonders komplex mit unzähligen religiösen, ethnischen und Stammesloyalitäten und dem Erbe von brutalen Diktaturen. Um Isis in die Schranken zu weisen, bräuchte es koordinierte Anstrengungen von Akteuren innerhalb und ausserhalb der Region, um all die Lebensadern wieder zu kappen, die sie so gefährlich gemacht haben.

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