Der Kommentar: Was war das für ein Gschtürm, als sich Ruedi Hunsperger, Schwingerkönig der Jahre 1966, 1969 und 1974, das Recht herausnahm, seine Popularität in bescheidenem Rahmen in klingende Münze umzuwandeln.

Er lieferte dem Verbandsobmann Ernst Marti epische Kämpfe. Wobei der kräftige Sportler gegen den stiernackigen Funktionär keinen Stich hatte. Zumindest vorerst nicht.

Doch seither ist viel Wasser die Aare, den Ticino, die Rhone und den Rhein hinuntergeflossen. Beinahe still und heimlich hat sich die konservative Trutzburg mit dem Namen Eidgenössischer Schwingerverband der Zeit angepasst. Den Mannen rund um den aktuellen Obmann Ernst Schläpfer ist es gelungen, die überholten Strukturen aufzubrechen. Und siehe da: Das «Eidgenössische» präsentiert sich in diesen Tagen als ein beinahe schon moderner «Event»: Das Publikumsinteresse und die Medienpräsenz sind überwältigend; Sponsoren und werbetreibende Industrie stehen Schlange; prominente Politiker, Wirtschaftsführer und Künstler lassen sich lobende Worte über das Fest und seine Protagonisten entlocken.

Sind der Schwingerverband und seine Vorzeigeveranstaltung nicht vergleichbar mit der Schweiz? Dieses Land hat lange und gerne damit kokettiert, eine Insel der Rückständigkeit zu sein. Erst 1971 durften alle Frauen stimmen, wählen und gewählt werden. Der UNO und anderen internationalen Institutionen zeigte man jahrelang die kalte Schulter. Die Schweiz war das Land der Gartenzwerge und wehrte sich kaum gegen das biedere Image. Fast unbemerkt und ohne grosses Aufheben hat in den letzten Jahren ein Wandel stattgefunden. Die Art und Weise, wie die Drogenproblematik bewältigt wird, gilt mittlerweile als vorbildlich. Auch in der Frage der Sterbebegleitung ist die Schweiz an der Spitze der Entwicklung. In einem Monat wird dieses Land als einziges weltweit wohl eine von Frauen dominierte Regierung haben.

So, wie sich das Image des Schwingsports zum Positiven verändert hat, verändert sich auch das Image dieses Landes. Langsam und beinahe im Verborgenen. Aber stetig.