Der Kommentar: Der Ansatz der beiden Spitzenverbände der Wirtschaft ist richtig. Dass es auch ohne gesetzliche Frauenquote geht, zeigt das Beispiel Schweden. Dort hat eine freiwillige Frauenquote der Firmen zusammen mit vorzüglichen Tagesstrukturen dazu geführt, dass bereits 25 Prozent aller Verwaltungsratsmitglieder weiblich sind – mehr als doppelt so viele wie in der Schweiz.

Fixe gesetzliche Frauenquoten auf Verwaltungsratsebene sind demgegenüber reine Symptombekämpfung. Sie ändern nichts an der Ursache des unterdurchschnittlich tiefen Frauenanteils in den Schweizer Chefetagen. Und die ist: Für viele Frauen und Männer ist es mangels Tagesstrukturen für Kinder schon auf unterer Kaderstufe schwierig, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Bemerkenswert ist deshalb, wie offensiv Economiesuisse und Arbeitgeberverband vom Staat Blockzeiten, Kinderkrippen, Horte und Tagesschulen fordern. Noch vor wenigen Jahren wurde das von bürgerlichen Politikern als DDR-Sozialismus verteufelt. Nun sehen es ausgerechnet die Wirtschaftsdachverbände anders.

Tatsächlich steht die Schweiz bezüglich Tagesstrukturen schlecht da. Noch längst nicht alle Gemeinden haben Blockzeiten in den Schulen eingeführt. Tagesschulen sind in vielen Kantonen unbekannt, obwohl sie sich in anderen Ländern seit Jahren bewähren. Kinderkrippen und -horte sind zu wenig zahlreich und zu teuer. All das erschwert eine geregelte Ausser-Haus-Arbeit für beide Elternteile – geschweige denn eine Karriere von Frauen bis in höchste Sphären.

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